Pack die Gummistiefel ein, wir fahr’n zum Acker!

Vor ziemlich genau zwei Monaten flatterte eine kurze Nachricht im WhatsApp-Mädelschat rein, die da lautetet: WhatsApp Nachricht Getrieben von der Neugier folgte ich dem Link und stieß auf ein ziemlich cooles Projekt der zwei findigen Essener Tobias Paulert und Birger Brock. Die beiden Jungs hatten einen genialen Einfall und gründeten Ende des Jahres 2012 das Unternehmen Ackerhelden.

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Was steckt dahinter?

In Zeiten von Lebensmittelskandalen und der Verdrängung von naturbelassenen Lebensmitteln aus unserem Speiseplan steigt die Anzahl der Menschen, die sich intensiver mit ihrer Ernährung beschäftigen, die wissen möchten, was auf ihrem Teller liegt und vor allem, wo es herkommt. Wir wissen inzwischen alle, dass sowohl für die Umwelt als auch für den Menschen eine Ernährung mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln am besten und gesündesten ist. Lange Transportwege werden vermieden, man kennt den Ursprung der verzehrten Lebensmittel.

Erbse

Der neueste Trend in Großstädten ist das sogenannte „Urban Gardening“, also Gartenbau in der Stadt. Ziel ist es, möglichst viele Flächen, wie z.B. Brachflächen, Parkgaragendächer und andere vernachlässigte Orte, zum Anbau von Gemüse und Co. zu nutzen. Durch die Verknüpfung von urbanem Leben und Natur entsteht eine ganz neue Stadt und ein ganz neuer Bezug zur Natur.

Die Ackerhelden haben diese Idee aufgegriffen und stellen Ackerflächen zum Gemüseanbau zur Verfügung. Das Projekt richtet sich an alle, die sich bewusst ernähren möchten und den ursprünglichen Bezug zu ihren Nahrungsmitteln herstellen wollen.

In ganz Deutschland können interessierte Hobbybauern ein mit verschiedenen saisonalen Gemüsesorten vorbepflanztes Ackerstück mieten. Ernten, neu Säen, Unkrautjäten, Bewässern und alles, was sonst noch so zum Gärtnern dazugehört, darf und muss selbst organisiert werden.

Ackerei_Ackerhelden

Die Belohnung für die Mühe:

Frisches, selbgeerntetes Biogemüse.

Biogemüse vom Acker

Denn es werden ausschließlich Ackerflächen zur Verfügung gestellt, die nach den Richtlinien der Anbauverbände Bioland, Demeter oder Naturland bewirtschaftet werden und entsprechend zertifiziert sind. Das bedeutet: keine giftigen Pestizide und Herbizide sowie keine chemisch-synthetischen Dünger.

Ernte_Ackerhelden

Und wo kann man in München ackern?

Die Münchner Ackerflächen befinden sich in Ismaning im Münchner Nordosten.

Wie funktioniert das Ganze?

Für 2015 sind alle Ackerflächen in Ismaning leider schon ausgebucht. Für nächstes Jahr könnt ihr euch aber schon für Flächen vorregistrieren. Saisonbeginn ist der 16. Mai 2016, Saisonende der 30. November 2016.

Gemietet werden kann eine Ackerfläche von 40 qm (2-4 Personen) inklusive Vorbepflanzung, Beratung, Geräten, Gießwasser, Gemüse zum Nachsäen und Nachpflanzen und Rezepten für 248€.

Falls ihr euch für’s „Ackern“ entscheidet, könnt ihr auf der Internetseite der Ackerhelden die Ackerfläche bestellen.

Zwei meiner Freundinnen haben sich tatsächlich entschieden, dieses Konzept auszuprobieren und ackern schon fleißig. Da es mir als waschechtem Stadtkind etwas schwer fällt, Gemüsepflanzen von Unkraut zu unterscheiden, wollte ich erst einmal die ersten Erfahrungen abwarten- ich hatte ein paar Bedenken, dass die Ernte mit meiner Hilfe nur aus Löwenzahn und sonstigem Unkraut besteht… Hahaha.

Meine beiden Ackerheldinnen sind aber so begeistert, dass ich darüber nachdenke, nächstes Jahr mit einzusteigen. Und wie schaut’s bei euch aus? 🙂

Die Helden auf dem Acker

Die Mädels auf dem Acker

0 Gedanken zu „Pack die Gummistiefel ein, wir fahr’n zum Acker!“

  1. Hmmh, hab immer so meine Zweifel, ob das noch ökologisch ist, wenn man dann mit dem Auto regelmäßig zu seinem Acker fährt…
    Aber optimale Lösungen gibt es hier nicht. Ich wohne ja in München und im Bayerischen Wald. Fleisch und Eier beziehe ich immer aus dem Bayerischen Wald, weil ich da auch weiß wo es herkommt. Die Hühner gehören mir sogar. Ich habe sie dort sozusagen in Pflege gegeben. Die Eier sind nicht nur Bio, sondern stammen von Hühnern auf einer Wellness-Farm, so wie sie dort verwöhnt werden. 🙂

    1. Meine beiden Ackerhelden-Freundinnen fahren immer mit dem Radl zum Acker. 🙂 Aber ich gebe dir vollkommen recht- wahrscheinlich gibt es auch genug Leute, die mit dem Auto hinfahren. Die Situation ist nur leider in einer Großstadt wie München sehr schwierig. Es gibt nicht genug wohnungsnahe Flächen für Selbstversorger und den Anbau von Gemüse. Das, was du vom Bayrischen Wald schreibst, ist natürlich perfekt und sicherlich wäre das die ideale Lösung.
      Ich denke aber, dass die Ackerhelden ein gutes Projekt sind, um Menschen wieder an den Ursprung der Lebensmittel heranzuführen, indem man sie selbst arbeiten lässt. Gemüse kommt eben nicht aus dem Supermarkt, sondern vom Acker. Man muss Saatgut säen, Unkraut jäten, das Feld bewässern etc. Genauso wie Fleisch vom Tier kommt, das irgendjemand schlachten muss. Ich bin mir sehr sicher, dass der Fleischkonsum rapide sinken würde, wenn jeder sein Fleisch selber jagen und ausweiden müsste. Leider ist uns heutzutage der Bezug zur Natur und auch die Wertschätzung für unsere Lebensmittel größtenteils abhanden gekommen. Durch Projekte wie Ackerhelden (die natürlich auch kommerzielle Interessen haben) wird dieser Bezug zumindest teilweise wieder hergestellt.

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