August und Franz – eine Freundschaft ohne Social Media

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie unser Leben von Freundschaften beeinflusst wird? Was und vor allem wie wir ohne sie wären? Nach welchen Kriterien suchen wir uns unsere Freunde aus? Haben sich Freundschaften in Zeiten von Social Media verändert?

Mir kamen diese Gedanken neulich, als ich im Kunstbau des Lenbachhauses die Ausstellung „August Macke und Franz Marc“ besuchte (noch bis 3. Mai 2015 in München).

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Museen und Malerei. Doch das Thema fand ich ganz spannend. Die Ausstellung widmet sich der Freundschaft der beiden Künstler und ihrem Austausch untereinander.LenbachhausKunstbau

Ihre Freundschaft begann 1910 in München, als der ursprünglich aus dem Sauerland stammende August Macke im schönen Bayern zu Besuch war und dabei eine Lithographie von Franz Marc entdeckte. Er war so begeistert, dass er Franz Marc in seinem Atelier in der Schellingstraße aufsuchte. Dies war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die halten sollte, bis beide im Ersten Weltkrieg fielen. Eine Freundschaft so ganz ohne Technik und Social Media.

Kunstbau

Schon faszinierend, welche Zufälle im Leben uns zusammenführen und wieder trennen. Trotz 7 Jahre Altersunterschied und so unterschiedlicher Charaktere gab es offenbar irgendetwas, was Marc und Macke aneinander faszinierte. Natürlich teilten sie eine gemeinsame Leidenschaft- die Malerei. August und FranzDoch sind es nur die Hobbies, die uns mit unseren Freuden verbinden? Wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umsehe, trifft das auf einige Freunde zu, auf andere aber gar nicht. Beispielsweise habe ich eine Freundin, deren Leidenschaft Motorräder sind. Für mich gibt es (fast) nichts Unspannenderes ;). Und doch mögen wir uns.

Wie kommt es, dass uns einige Freundschaften das ganze Leben hinweg begleiten, während andere uns nur über einen kurzen Zeitabschnitt erhalten bleiben? Verbessern die modernen Kommunikationswege über Social Media Freundschaften, oder machen sie diese ein Stück weit oberflächlicher? Hat sich der Begriff der Freundschaft dank Facebook & Co. verändert? Wenn ich mir überlege, wie viele meiner 250 Facebook-„Freunde“ ich tatsächlich anrufen würde, wenn es mir schlecht geht, bleiben vielleicht eine handvoll übrig. Trotzdem schäme ich mich schon fast, dass ich nur 250 und nicht 500 „Freunde“ bei Facebook habe.

Irgendwie ist die Anzahl der Facebook-Freunde heutzutage unbewusst zu einer Skala der Beliebtheit geworden. Doch diese „Freunde“ machen nichts für mich. Sie beeinflussen mich nicht in meiner persönlichen Entwicklung. Sie inspirieren mich nicht. Ich erliege dem schönen Schein, dass ich Teil ihres Lebens bin, indem ich ihre schönsten Momente via Handydisplay und PC-Monitor teile. ich sehe ihre traumhaften Urlaubsbilder, Bilder von einem tollen Essen, von spannenden Freizeitaktivitäten, von interessanten Job-Projekten und Dienstreisen. Das beeinflusst mich nur dahingehend, dass ich extrem deprimiert bin, weil mir mein eigenes Leben dann plötzlich so furchtbar langweilig vorkommt.

Obwohl das natürlich Quatsch ist. Denn wer postet schon Bilder von sich, wie er an einem Samstagabend alleine in der ollen Jogginghose auf der Couch sitzt, oder ungeschminkt den Müll runterbringt. Alles wird in der schönen virtuellen Welt perfekt inszeniert. Für Banalitäten oder Makel bleibt da kein Platz mehr. Doch das machen doch echte Freunde aus: das sie mich auch mal in den nicht so perfekten Momenten erleben. Heulend mit verlaufener Maskara und triefender Nase, weil der Freund Schluss gemacht hat. Nicht so gut gelaunt, weil der Job mal wieder deprimiert. Oder einfach miesepetrig, weil ich mich mal wieder vom Leben ungerecht behandelt fühle.

Wie wäre wohl die Freundschaft von August Macke und Franz Marc heutzutage verlaufen? Vielleicht hätte sich Macke nie die Mühe gemacht, die Galerie von Marc aufzusuchen. Er hätte sein Bild bei Facebook oder Instagram gesehen, „Gefällt mir“ geklickt, den „Share“-Button gedrückt und Franz Marc eine Freundschaftsanfrage gesendet. Vielleicht hätte er noch einen Kommentar unter das Bild geschrieben, so nach dem Motto „Das Bild hat mich sehr beeindruckt. Weiter so“ . Franz Marc hätte die Freundschaftsanfrage angenommen, sich über seinen 346. Facebook-Freund und damit seiner wachsenden Beliebtheit erfreut. Und das wäre es dann gewesen. Keine persönlichen Briefe, kein Treffen, kein gegenseitiges Beeinflussen der Kunst, da man den Menschen hinter den Bildern nicht kennengelernt hat. Wie hätte sich die Kunst von Marc und Macke ohne das Zusammentreffen entwickelt? Wären die Werke von Marc genauso farbenfroh ohne den Einfluss von August Macke? Wir wissen es nicht und werden es leider, oder auch zum Glück, nie erfahren.

Doch neben all den negativen Gedanken muss ich auch einen positiven Aspekt erwähnen: Vor ein paar Wochen traf ich eine Freundin wieder, die ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Dank Facebook haben wir uns wiedergefunden und das gleich bei einem gemütlichen Abend mit jeder Menge Alkohol gefeiert. Ohne Facebook wäre es sicher nie dazu gekommen. Jetzt ist ein toller, verloren geglaubter Mensch wieder Bestandteil meines Lebens. Danke Marc Zuckerberg! 🙂

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