„Der Bachelor“: ein modernes Märchen!

Gestern war das Bachelor Finale. (Ups, erwischt: ja, ich schaue Trash TV!)
Hach und es war ja sooo romantisch. Zwei Auserwählte von 22 Kandidatinnen waren übrig, zwischen denen sich Mr. Langweilig hoch zehn alias der Bachelor entscheiden musste. Was muss es für eine Qual für ihn gewesen sein, sich zwischen zwei fast identisch aussehenden wasserstoffperoxid-gebleichten Blondinen zu entscheiden? Aber er hat eine Wahl getroffen und der Auserwählten die letzte Rose überreicht mit den Worten „Dich habe ich hier zuerst geküsst!“. Na wenn das kein Kompliment ist! Das er so ungefähr jede geküsst hat, weil das sein einziges Mittel war, um über die peinlichen Sprechpausen dank fehlender Intellig… äh Gesprächsthemen hinwegzukommen, hat er sicherheitshalber nicht erwähnt. Aber er ist ja sooo verliebt und das ist doch die Hauptsache! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann bla bla blubb. Ihr wisst schon.

Apropos. Heute Morgen bin ich auf dem Weg zur Arbeit an einem Plakat für den neuen „Cinderella“- Film vorbeigekommen. Dabei kam mir spontan in den Sinn, dass Cinderella ja irgendwie auch nichts anderes ist, als eine frühere und stark romantisierte Version des Bachelors: Cinderella&Bachelor Fotomontage Der König (=RTL) lässt drei Nächte lang (ok, hier weichen wir beim Bachelor etwas ab- es sind doch ein paar mehr Nächte der Rosen) ein rauschendes Fest veranstalten, bei dem sich sein Sohn, der Prinz (=Bachelor), eine Gemahlin (=Kandidatin) wählen darf. Gut, im Märchen werden nur Jungfrauen eingeladen. Beim Bachelor auch Playmates. Aber so kleinlich wollen wir nicht sein. Der Bachelor ist ja schließlich eine moderne Fassung von Cinderella. Die Jungfrauen (=22 Bachelorkandidatinnen) wollen alle den hübschen jungen Prinzen (=Bachelor) erobern, um in Zukunft in Saus und Braus als Prinzessin (=Mediensternchen!) an seiner Seite (=in den Schlagzeilen!) zu leben. Wert auf innere Werte wird da eher weniger gelegt.
Und da wären wir auch schon bei der größten Gemeinsamkeit, die den Bachelor und den Prinzen vereint: beide stehen total auf blond! Das ist das einzige Kriterium, welches die Auserwählte erfüllen muss. Alles andere ist, sagen wir mal, nicht sooo wichtig.

So kommt es also, dass sich Nacht für Nacht alle heiratswilligen Frauen in ihre schönsten Kleider werfen und darauf hoffen, vom Prinzen alias dem Bachelor zum Tanz aufgefordert zu werden (=eine Rose überreicht zu bekommen). Dabei ist jedes Mittel recht, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Ich bin mir sehr sicher, dass jede der Bachelorkandidatinnen sich liebend gerne eine Zehe oder die Ferse abhacken würde, um an eine Rose zu kommen. Aber machmal tut’s auch ein tiefer Ausschnitt. Der Prinz (Bachelor) tanzt (knutscht, fummelt, schnackselt) mal mit der Einen, mal mit der Anderen. Doch am Ende wählt er Cinderella (=Lizzy). Sie hat sich gegen alle bösen Stiefmütter und Stiefschwestern (=die ganzen dummen Nüsse, die sonst noch von RTL gecastet worden sind) durchgesetzt. Aufgrund ihrer „lieben“ Art hat sie den Prinzen (=Bachelor) von sich überzeugt und ist jetzt Prinzessin oder so. Sie darf jetzt raus aus dem Haus ihres Vaters (=Provinznest Eberswalde) hinaus in das Königreich (=die große weite RTL-Welt), um und ein bisschen Prinzessinnenluft (=Medienluft) zu schnuppern. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage (=bis maximal zum Ausstrahlungsende der Sendung auf RTL, also gestern) zusammen.

Hach, ich liiiiiiiebe Märchen! 🙂

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