Saunabesuch: 15 Minutes of Shame

Sauna

Ich würde mich nun wirklich nicht als prüde bezeichnen. Gut, den aktuellen Hype um „50 Shades of Grey“ kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Gewaltvolle Sexfantasien sind eher nicht so mein Ding. Auch wenn das derzeit anscheinend „in“ ist und Handschellen, Reitgerten und Bondage- Material überall ausverkauft sind.

Das sagen zumindest die Medien. In der Werbung werden überall „50 Shades of Grey“-Packages angeboten. 16-Jährige finden es plötzlich hipp, sich fesseln und auspeitschen zu lassen.

Ich frage mich, was bloß los ist mit unserer Gesellschaft? Warum lassen wir uns inzwischen sogar unser Sexualleben von außen, sprich von irgendwelchen Büchern und Filmen aufdiktieren?

Aber ich schweife ab… Zurück zum eigentlichen Thema: Sauna. Da war ich nämlich neulich. Ihr wisst schon- Kampf dem Winterblues! Ich musste einfach mal ein bisschen Wärme tanken. Und an diesem wunderbaren Erlebnis bzw. den 15 längsten Minuten meines Lebens möchte ich euch gerne teilhaben lassen ;-):

00:00 – 00:01:

Ein kurzer Blick in die Saunakabine: Kurzes Peilen der Lage. Oje, fast alle Plätze besetzt. Da hinten in der Mitte auf Stufe 2 ist noch ein Plätzchen frei. Da werde ich mich reinquetschen. Passt mein Hintern da rein?

00:01 – 00:03:

Betreten der Sauna. Sanduhr umgedreht, Handtuch ausgebreitet und hingesetzt. Mein Hintern passt genau in die Lücke. Das war Maßarbeit.

Ich nehme die Embryonalstellung mit angewinkelten, eng an den Körper gepressten Knien ein. „Warum Embryonalstellung?“ werdet ihr jetzt fragen. Ich mag die Sauna sehr gerne. Allerdings frage ich mich immer wieder, warum man zum Schwitzen so zwingend nackt sein muss. Denn ich finde es a) nicht toll, jedem meinen Körper zu präsentieren. Das ist meine intimste Privatsphäre. Und b) muss ich auch nicht die nackigen Körper von Frau Meier und Herr Müller sehen- wie Gott sie schuf und Mc Donalds sie formte, wie es neulich ein Freund von mir so nett formuliert hat.

Von Freunden aus Frankreich, Schweden und Mexiko weiß ich, dass es dort nicht üblich ist, sich in seiner vollen Nacktheit zu präsentieren. Man trägt entweder Badesachen, oder ein um den Körper gewickeltes Handtuch. Mit Badesachen in die Sauna muss jetzt nicht unbedingt sein. Aber mit einem Handtuch? Das wäre doch eine Option! Also habe ich mir neulich bei Tchibo einen Saunakilt bestellt. So ein Ding, das wie ein Handtuch ausschaut, was man aber um den Körper schlingen und mit Knöpfen befestigen kann. Doch ich kam mir ziemlich dämlich vor, als ich so eingehüllt zwischen all den Nackten saß. Und das Problem mit den nackten Körpern der Mitsaunagänger löst der Saunakilt auch nicht. Also doch keine Option.

Die Tatsache, dass Reden in der Sauna nicht erwünscht ist, trägt meiner Meinung nach ebenfalls nicht unbedingt zu einer ungezwungenen Atmosphäre bei. In einer halb leeren Sauna mag das alles gehen. Da würde ich mich einfach hinlegen, die Augen schließen und mich an den Strand und in die Sonne träumen.

Doch was tun, wenn jeder Quadratzentimeter der Holzbänke mit schwitzenden Körpern übersät ist und nichts anderes als Sitzen möglich ist? Wo schaut man hin? Das Gemächt von Herr Müller ist Tabu. Genauso wie die Brüste von Frau Meier. In die Augen des Gegenübers schauen könnte als Flirt oder Provokation wahrgenommen werden. Verflixt!

00:03 – 00:03:

Die Sanduhr! Da kann man ohne Scheu hinschauen! Ein kurzer Blick sagt mir, dass es immer noch gilt, 12 Minuten zu überstehen…

00:03 – 00:05:

Ein verschämter Blick in die Runde. Mir gegenüber sitzt breitbeinig ein dickbäuchiger Herr Müller. Daneben Frau Meier mit ihren Hängebrüsten. Also schaue ich verschämt auf meinen eigenen schwitzigen Körper. Dabei stelle ich fest, dass mein Bauchspeck auch schon wieder ein bisschen zugelegt hat. Und dabei naht doch die Bikinisaison! Der anzügliche Blick von Herr Müller verrät mir, dass er Bauchspeck nicht so schlimm findet. Ich ziehe die Knie noch weiter zum Oberkörper heran. Ein Blick auf die Sanduhr verrät mir: noch 10 Minuten durchhalten.

00:05 – 00:06:

Die Tür öffnet sich. Ein neuer Saunagast. Kenne ich ihn womöglich? ich gehe die Liste durch: Chef, Kollege, Frauenarzt, …? Vorsichtshalber halte ich mir eine Hand vor mein Gesicht, was dazu führt, dass nun eine meiner Brüste blank liegt. Ich versuche, diese Misere durch eine veränderte Sitzposition auszugleichen. Autsch. Krampf im Fuss. Wo soll der Neue noch hin? Es ist doch schon alles voll!

00:06 – 00:07:

Ok, offensichtlich gibt es noch einen freien halben Quadratzentimeter auf der Stufe direkt über mir. Auf dem Weg dorthin steigt er an mir vorbei. Sein Gemächt kommt meinem Kopf gefährlich nahe. Vorher konnte ich noch einen Blick auf sein Gesicht werfen. Ist ja auch irgendwie angenehmer zu wissen, wer einem da mit dem Penis am Kopf rumschlendert. Ich kenne ihn nicht. Glück gehabt!

00:07 – 00:08:

Puh, ist das heiß! Immer noch 7 Minuten. Blick zu den Hängebrüsten von Frau Meier. Gut, dass ich eine Minioberweite habe. Hängebrüste drohen nicht!

00:08 – 00:09:

Ich schelte mich für meine Gedanken und mein Blick wandert von Frau Meiers Brüsten zurück zu meinen Knien.

00:09 – 10:00:

Wie lange 15 Minuten sein können…

11:00 – 12:00:

Ein erneuter Blick auf die Sanduhr. Wieso vergeht die Zeit eigentlich nicht? Hoppla, die Beine vom Herr Müller sind immer noch gespreizt… Igitt.

12:00 – 13:00

Herr Unbekannt von der hintersten Bank erhebt sich und möchte die Sauna verlassen. Sein Schweiß tropft beim Vorbeigehen auf mich herab. Wie eklig ist das denn bitte?

13:00 – 14:00:

Ich will hier raus! Jetzt!

14:00 – 15:00:

Ein letzter verzweifelter Blick auf die Sanduhr. Es ist geschafft! Jetzt nur noch möglichst galant aufstehen und während des Aufstehens schon versuchen, das Handtuch um die Hüften zu schlingen, damit niemand beim Rausgehen auf meinen Hintern starren kann!

15:00 – 15:00:

Geschafft! Jipieh!!!

Auf dem Nachhauseweg stellt meine Begleitung fest, wie gut und erholsam so ein Saunabesuch doch ist. Ich stimme eifrig nickend zu, um mein schmerzverzerrtes Gesicht zu kaschieren- mein Fuss tut immer noch weh vom Krampf in der Sauna.

Ich frage mich, ob ich der einzige Mensch bin, den die Angst umtreibt, den Chef, einen unliebsamen Arbeitskollegen oder den netten Kellner aus der Lieblingskneipe unvorbereitet nackig in der Sauna anzutreffen. Bin ich die Einzige, die mit dieser Form der Freizügigkeit ein Problem hat? Stimmt etwas nicht mit mir?

Ich beschliesse, doch noch unbedingt „50 Shades of Grey“ zu lesen. Gleich Morgen.

0 Gedanken zu „Saunabesuch: 15 Minutes of Shame“

  1. Hallo! Total witzig geschrieben – und nein – mit Dir stimmt eh alles – keine Sorge – mir geht es genauso – ich geh gerne in die Sauna – wär aber auch lieber in ein Handtuch gewickelt – aber……Dampfbad ist super – voll der Nebel – und wenn doch Sauna geb ich meine Linsen raus – seh ich Dich nicht, siehst Du mich auch nicht….LG Connie

Kommentar verfassen