Unbezahlbar – Hilfsbereitschaft wenn man sie nicht erwartet

Es war ein langer, langer Arbeitstag. Es ist schon dunkel draußen und ich bin froh, bald heim zu kommen. Ich stehe am Parkautomaten, um mein Ticket zu bezahlen. Hinter mir höre ich Schritte von zwei weiteren Personen, die das gleiche Ziel wie ich haben. Ich krame nach meinem Geld – wie immer schwer auffindbar. Wo ist es bloß? Verdammt. Wieso ist die Tasche immer so voll? Ich versuche mich zu beeilen, ich will die Leute hinter mir nicht warten lassen.

Ich stecke die Parkkarte in den gelben Schlitz, 8 Euro. Teuer! Ich ziehe meinen einzigen 10er aus der Tasche, um damit den gelben Kasten zu füttern.
Aber nein, was passiert: fein säuberlich und fast in Zeitlupe zerreisst es den Schein. Etwas ungläubig schaue ich auf die zwei gleich großen Teile in meiner Hand.

Zerissener Geldschein

Moment mal, ist das eben wirklich passiert? Hinter mir warten die zwei Personen und schauen mich ebenso ungläubig an, wie ich den 2-Teile-Zehner. Sie haben mein Missgeschick mitbekommen.

Was bleibt mir übrig, schulterzuckend lasse ich Ihnen den Vortritt. Verdammt, was soll der Mist. Das schief angebrachte Infoblatt auf dem Automaten lässt keinen Zweifel zu: keine neuen Zehner, kein EC, kein VISA, ich kann mit nichts mehr bezahlen. Ich zweifle arg die Geschäftstätigkeit des Betreibers an. Wo soll ich in der bankautomatenlosen Szenerie und gefühlt am Ende der Welt noch passende Scheine her bekommen?

Die Leute hinter mir stimmen in mein Schimpfen ein. Während ich noch überlege, wie ich die Situation auflöse, zieht die Frau neben mir ohne lang nachzudenken einen 10 Euroschein aus der Tasche und drückt ihn mir in die Hand. Sie leiht ihn mir – einfach so. Unglaublich. Ja. Gott sei Dank.

Ein Lächeln macht sich auf meinem Gesicht breit und ich bin ihr in diesem Moment unendlich dankbar. Wir tauschen Visitenkarten aus, ich danke ihr, wir wünschen uns einen schönen Abend und gehen jeder unserer Wege.

Während ich im Auto sitze, lass ich mir die Situation durch den Kopf gehen. Sie kennt mich nicht, sie weiss nicht, ob meine Kontaktdaten stimmen. Und trotzdem leiht sie mir ohne lang darüber nachzudenken das Geld.

10 Euro sind vielleicht keine große Summe, jeder hätte diese wahrscheinlich in der Tasche. Aber wenn ich beobachte, wie wenig Obdachlosen gegeben wird, dann erscheint es doch im Vergleich dazu sehr viel.

Danke. Danke. Danke. Sie haben damals meinen Abend gerettet. Und meinen Glauben darin bestärkt, das die Menschen rechts und links neben uns auch noch nett, hilfsbereit und mitfühlend sein können.

Zufrieden, mit einem guten Gefühl, fahre ich an diesem Abend nach Hause und stelle mir leise die Frage, ob ich genauso gehandelt hätte?

Ein Gedanke zu „Unbezahlbar – Hilfsbereitschaft wenn man sie nicht erwartet“

  1. Solche Menschen gibt es tatsächlich nicht oft. Ich kann verstehen, dass man über solch eine Situation dann doch häufiger nachdenken muss. Das ist einfach nicht alltäglich.

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